ZUR GESCHICHTE DES "ZIEGENHAINER KNOTENSTOCKES"

Unser Haus, einst "Ratskeller Ziegenhain", dann "Kulturhaus Ziegenhain", wurde 1986 nach dem Umbau traditionsbewusst "ZUM ZIEGENHAINER" benannt, nach den früher hier in großen Mengen hergestellten derben Wanderstöcken, den sogenannten "Ziegenhainer Knotenstöcken" oder kurz "ZIEGENHAINER" .

Die ersten "Ziegenhainer Stöcke" wurden 1789 von Ernst Gottfried Gundermann aus dem sehr harten Holz der Kornelkirschensträuchern (lat. Cornus mas) hier in Ziegenhain gefertigt. Diese für die Jenaer Studenten typischen Stöcke gewannen in ganz Europa einen fast legendären Ruf. Sie erhielten im 19. Jahrhundert, einer Zeit der studentischen Wanderschaft beim Hochschul- und Universitätswechsel, geradezu den Charakter eines Statussymbols der deutschen akademischen Jugend.

Vorausgegangen war das strenge Verbot des Großherzoglichen Hofes zu Weimar, welches den Jenaer Studenten bei schwerer Strafandrohung untersagte, sich weiter mit blanken Schlägern zu duellieren, sich mittels Mensur zu schlagen und zum Schmiss zu verhelfen. Den gegen den Großherzog von Weimar ständig aufmüpfigen Studenten der Universität Jena kam als würdiger Ersatz für ihre Schläger der besonders auf den Südhängen der Muschelkalkfelsen im Ziegenhainer Tal wachsenden Kornelkirschenstrauch entgegen. Sein Holz zählt zu den härtesten Hölzern Europas; auf 1 mm Dickenwachstum zählt man 3 Jahresringe. Ein Säbelhieb hinterlässt lediglich einen Kratzer.

Ab Februar/März beginnt die Kornelkirsche -auch Herlitze, Dirlitze, Gelber Hornstrauch, Judenkirsche, Kürbeere oder Dirndl genannt- mit leuchtend gelben Blütendolden noch vor dem Blattaustrieb zu blühen. Getrost kann man sie zu den schönsten Vorfrühlingsgehölzen zählen. Der Kornelkirschenstrauch, zur Gattung der Hartriegelgewächse gehörend, ist robust, sehr trägwüchsig und kann als Strauch -oft aber auch baumförmig- bis zu 100 Jahre alt werden.
Das Holz ist sehr hart, sehr schwer, zäh, elastisch und wasserfest. Es eignet sich vortrefflich für feine Drechselarbeiten. Carl Zeiss hat für seine ersten Linsen die Einfassungen aus diesem Holz drechseln lassen.

Die genannten Eigenschaften erfüllen in besonderer Weise die Anforderungen an einen praktischen Wanderstock. Für die Studenten der Jenaer Universität waren sie die Voraussetzung für eine schlagbare Waffe.
Die ersten Stöcke wurden am Strauch geschnitten, geschält, getrocknet, über der offenen Flamme mittels Bienenwachs brüniert und mit einer Lederschlaufe versehen. Somit hing der Stock fest am Handgelenk und konnte selbst bei derben Schlägen nicht verloren werden.

Auf Grund des Verbotes der Schläger setzte man diese Tradition mit den "ZIEGENHAINERN " fort. Später, nach der offiziellen Aufhebung der Verbote, Mensuren zu schlagen, dienten die Ziegenhainer dem Sekundanten zum Einschreiten, wenn die gegebenen Regeln nicht eingehalten wurden.

Die Weiterentwicklung der Ziegenhainer waren die Stöcke mit Krümmung. Wurde der rohe Stock an einem Ende in Wasser gekocht, konnte man mittels einer Biegevorrichtung die Stockkrümmung biegen. Mit derbem Strick festgezurrt und über Tage im dörflichen Backofen getrocknet, blieb beim Entfernen des Strickes die gekrümmte Form erhalten. Mit Bienenwachs brüniert, dazu eine Stockspitze (Stockzwinge) aus Eisen - ein äußerst praktischer Wanderstock war entstanden.
Oftmals wurden die Griffe der geraden Stöcke aus Kuh-Horn, aus den Augsprossen des Hirschgeweihs, aus Elfenbein, aus Silber als Knauf oder auch gedrechselte bzw. geschnitzte Handgriffe angefertigt je nach Wunsch und Geldbeutel.
Ein ganz normaler ZIEGENHAINER mit Krümmung kostete 1936 bereits stattliche 70 Reichsmark.


Bildet der Stock beim Wuchs verdickte Auswüchse aus, wird er Knotenstock genannt. Durch das beinahe subtropische Klima um Jena gedeiht hier die wilde Waldrebe besonders gut. Hatte diese Schlingpflanze an einer jungen Kornelkirsche Halt gefunden, verwuchs beides miteinander und es entstanden die natur-gedrehten Ziegenhainer, die einen besonders hohen Wert besaßen und nur zu hohen studentischen Festtagen getragen wurden.

Aus den länglichen kirschähnlichen Früchten, den sogenannten Kornellen, die ab August/September leuchtend rot von den Sträuchern fallen, fertigen wir für den Wildbraten unser KORNELKIRSCHEN – MUS. Die Kerne der Früchte wurden früher zu Rosenkränzen verarbeitet. Sind die Kornellen besonders aromatisch ausgereift, setzen wir einen köstlichen KORNELKIRSCHEN - WEIN an, aber auch das daraus gebrannte KORNELKIRSCHEN - WASSER, ein 40 % Vol. Edelbrand, ist eine Rarität.

Seit 1984 ist die Kornelkirsche geschützt!

 

zurück